Die kalte Jahreszeit stellt für viele Wildtiere eine Herausforderung dar, und Eichhörnchen bilden dabei keine Ausnahme. Während die flinken Nager im Herbst eifrig Vorräte anlegen, können strenge Frostperioden und geschlossene Schneedecken ihre natürlichen Nahrungsquellen unzugänglich machen. Viele Naturfreunde möchten den Tieren helfen und richten Futterstellen ein. Doch nicht jede gut gemeinte Geste ist auch wirklich hilfreich. Die Wahl der richtigen Nahrung und die Beachtung bestimmter Regeln spielen eine entscheidende Rolle für das Wohlergehen der Eichhörnchen. Manche Nusssorten können sogar mehr schaden als nützen, während andere eine wertvolle Unterstützung darstellen.
Warum die Eichhörnchen im Winter füttern ?
Natürliche Nahrungsknappheit in der kalten Jahreszeit
Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf, sondern bleiben das ganze Jahr über aktiv. Ihr Energiebedarf bleibt auch bei niedrigen Temperaturen hoch, da sie ihre Körperwärme aufrechterhalten müssen. Die natürlichen Nahrungsquellen werden jedoch im Winter deutlich knapper. Baumsamen, Knospen und Pilze sind unter Schnee verborgen oder schlichtweg nicht mehr verfügbar. Obwohl die Tiere im Herbst Vorräte anlegen, finden sie nicht alle ihre Verstecke wieder. Studien zeigen, dass Eichhörnchen nur etwa 70 bis 80 Prozent ihrer vergrabenen Nahrung wiederfinden.
Besondere Herausforderungen bei extremen Wetterbedingungen
Besonders kritisch wird die Situation bei anhaltenden Minusgraden und dicken Schneeschichten. Der gefrorene Boden macht es den Nagern unmöglich, an vergrabene Nüsse heranzukommen. Zudem verbrauchen sie bei Kälte mehr Energie für die Thermoregulation. Junge und geschwächte Tiere sind in solchen Phasen besonders gefährdet. Eine kontrollierte Zufütterung kann in diesen Extremsituationen lebensrettend sein und die Überlebenschance der Population deutlich erhöhen.
Diese Erkenntnisse zeigen, dass eine durchdachte Fütterung sinnvoll sein kann. Doch welche Nahrungsmittel eignen sich überhaupt für die Versorgung der Eichhörnchen ?
Geeignete Nahrungswahl für Eichhörnchen
Empfohlene Nusssorten und Samen
Die Auswahl der richtigen Futtermittel ist entscheidend für die Gesundheit der Tiere. Haselnüsse stehen ganz oben auf der Liste der empfohlenen Nahrung, da sie dem natürlichen Nahrungsspektrum am nächsten kommen. Auch Walnüsse werden gerne angenommen, sollten aber wegen ihres hohen Fettgehalts nur in Maßen angeboten werden. Weitere geeignete Optionen sind:
- Bucheckern und Eicheln (unbehandelt)
- Sonnenblumenkerne (ungesalzen)
- Kürbiskerne
- Pinienkerne
- Zirbelnüsse
Frisches Obst und Gemüse als Ergänzung
Neben Nüssen benötigen Eichhörnchen auch Vitamine und Mineralien, die sie aus frischem Obst und Gemüse beziehen können. Äpfel, Birnen und Karotten sind besonders beliebt. Auch Gurken und Zucchini werden gut vertragen. Wichtig ist, dass das Obst ungespritzt und in kleinen Mengen angeboten wird. Bei Frost sollte darauf geachtet werden, dass gefrorenes Obst nicht zu Verdauungsproblemen führt. Eine ausgewogene Mischung aus verschiedenen Nahrungskomponenten kommt der natürlichen Ernährung am nächsten.
Während einige Nüsse hervorragend geeignet sind, gibt es auch solche, die problematisch sein können. Ein genauer Blick auf die Vor- und Nachteile verschiedener Nusssorten ist daher unerlässlich.
Die Vorteile und Risiken der verschiedenen Nüsse
Mandeln: ein gefährliches Missverständnis
Bittermandeln sind für Eichhörnchen hochgiftig und dürfen auf keinen Fall verfüttert werden. Sie enthalten Amygdalin, das im Körper zu Blausäure umgewandelt wird. Bereits kleine Mengen können tödlich sein. Süßmandeln sind zwar nicht giftig, bieten aber keinen nennenswerten Nährwert für die Tiere und sollten ebenfalls vermieden werden. Die Verwechslungsgefahr zwischen beiden Mandelarten macht sie zu einer ungeeigneten Wahl für die Eichhörnchenfütterung.
Erdnüsse: beliebte aber problematische Wahl
Erdnüsse werden von Eichhörnchen gerne angenommen, bergen aber mehrere Risiken. Sie sind anfällig für Schimmelbildung, insbesondere für Aflatoxine, die hochgiftig sind. Nur ungesalzene und frische Erdnüsse ohne Schale sollten in kleinen Mengen verfüttert werden. Gesalzene oder gewürzte Varianten schädigen die Nieren der Tiere. Zudem haben Erdnüsse einen ungünstigen Calcium-Phosphor-Haushalt, der bei ausschließlicher Fütterung zu Mangelerscheinungen führen kann.
Vergleich der Nährwerte verschiedener Nusssorten
| Nusssorte | Fettgehalt | Proteingehalt | Eignung |
|---|---|---|---|
| Haselnüsse | 62% | 12% | Sehr gut |
| Walnüsse | 65% | 14% | Gut (in Maßen) |
| Erdnüsse | 49% | 26% | Bedingt geeignet |
| Mandeln | 54% | 19% | Nicht geeignet |
| Cashewkerne | 42% | 18% | Nicht empfohlen |
Die richtige Auswahl der Nüsse ist nur ein Aspekt einer verantwortungsvollen Fütterung. Ebenso wichtig sind die Rahmenbedingungen und die Vermeidung häufiger Fehler.
Vorsichtsmaßnahmen zur Vermeidung von Fehlern
Hygiene an der Futterstelle
Sauberkeit ist das A und O bei der Einrichtung einer Futterstelle. Futterreste und Kot können Krankheiten übertragen und Parasiten anziehen. Die Futterstelle sollte regelmäßig gereinigt und von Schimmel befreit werden. Idealerweise werden Futterautomaten verwendet, die das Futter vor Nässe schützen. Offene Futterschalen müssen täglich kontrolliert und bei Bedarf gesäubert werden. Verschimmeltes oder verdorbenes Futter muss sofort entfernt werden, da es zu schweren Vergiftungen führen kann.
Richtige Dosierung und Fütterungszeiten
Eine Überfütterung kann dazu führen, dass Eichhörnchen ihre natürlichen Verhaltensweisen verlernen und abhängig von menschlicher Hilfe werden. Die Futtermenge sollte daher moderat bleiben. Als Faustregel gilt: eine Handvoll Nüsse pro Tier und Tag ist ausreichend. Die Fütterung sollte hauptsächlich in den Morgenstunden erfolgen, wenn die Tiere am aktivsten sind. Wichtige Punkte bei der Dosierung:
- Nicht mehr füttern als innerhalb eines Tages verzehrt wird
- Bei mildem Wetter die Futtermenge reduzieren
- Im Frühjahr die Fütterung allmählich einstellen
- Frisches Wasser bereitstellen, besonders bei Frost
Standortwahl für Futterstellen
Der richtige Standort schützt die Eichhörnchen vor Fressfeinden und erleichtert ihnen den Zugang. Futterstellen sollten in Baumnähe, aber mit freier Sicht auf die Umgebung platziert werden. Ein Abstand von mindestens zwei Metern zum Stamm verhindert, dass Katzen die Tiere überraschen können. Die Höhe sollte zwischen 1,5 und 2 Metern liegen, hoch genug für Schutz vor Bodenfeinden, aber niedrig genug für einfachen Zugang. Vermeiden Sie Standorte in direkter Nähe zu Straßen oder stark frequentierten Bereichen.
Neben diesen praktischen Aspekten gibt es auch rechtliche Rahmenbedingungen, die bei der Fütterung von Wildtieren beachtet werden müssen.
Regelungen zum Füttern der Eichhörnchen
Rechtliche Grundlagen und kommunale Vorschriften
In Deutschland gibt es keine bundeseinheitliche Regelung zur Fütterung von Eichhörnchen. Die Zuständigkeit liegt bei den Kommunen, die unterschiedliche Vorschriften erlassen können. In manchen Städten ist die Wildtierfütterung generell verboten oder nur unter bestimmten Auflagen gestattet. Verstöße können mit Bußgeldern geahndet werden. Vor der Einrichtung einer Futterstelle sollte man sich bei der zuständigen Naturschutzbehörde oder dem Ordnungsamt informieren. In Naturschutzgebieten gelten oft strengere Regelungen als in Wohngebieten.
Nachbarschaftliche Rücksichtnahme
Auch wenn die Fütterung rechtlich erlaubt ist, sollte Rücksicht auf die Nachbarschaft genommen werden. Futterstellen können andere Tiere wie Ratten oder Tauben anlocken, was zu Konflikten führen kann. Eine offene Kommunikation mit den Nachbarn ist ratsam. Folgende Aspekte sollten beachtet werden:
- Keine Fütterung auf fremden Grundstücken ohne Erlaubnis
- Vermeidung von Futterresten, die Schädlinge anziehen
- Regelmäßige Reinigung zur Vermeidung von Geruchsbelästigung
- Respektierung von Ruhezeiten in Wohnanlagen
Naturschutzaspekte und ökologische Verantwortung
Die Fütterung sollte immer im Einklang mit dem Naturschutz erfolgen. Eine ganzjährige Fütterung ist nicht empfehlenswert, da sie die natürlichen Populationsdynamiken beeinflussen kann. Die Winterfütterung sollte als Notmaßnahme bei extremen Wetterbedingungen verstanden werden. Experten des Naturschutzbundes betonen, dass die Erhaltung natürlicher Lebensräume mit ausreichendem Nahrungsangebot langfristig wichtiger ist als künstliche Fütterung. Die Pflanzung von Haselsträuchern und Obstbäumen bietet eine nachhaltigere Unterstützung.
Wer den Eichhörnchen helfen möchte, ohne ausschließlich auf Nüsse zu setzen, hat verschiedene Möglichkeiten, die natürliche Lebensweise der Tiere zu fördern.
Alternativen zu Trockenfrüchten für das Wohl der Eichhörnchen
Natürliche Lebensraumgestaltung
Die beste Hilfe für Eichhörnchen ist die Schaffung eines naturnahen Lebensraums. Ein Garten mit heimischen Sträuchern und Bäumen bietet ganzjährig Nahrung und Unterschlupf. Besonders wertvoll sind Haselnusssträucher, Walnussbäume, Eichen und Buchen. Auch Obstbäume liefern wichtige Nahrungsquellen. Ein strukturreicher Garten mit verschiedenen Vegetationsschichten unterstützt nicht nur Eichhörnchen, sondern die gesamte heimische Tierwelt. Totholzhaufen und alte Bäume dienen als Nistplätze und Winterquartiere.
Nistkästen als zusätzliche Unterstützung
Neben der Nahrungsversorgung benötigen Eichhörnchen sichere Schlafplätze. Spezielle Eichhörnchen-Kobel können im Garten aufgehängt werden und bieten Schutz vor Kälte und Fressfeinden. Die Kästen sollten einen Durchmesser von etwa 25 Zentimetern haben und zwei Eingänge besitzen, damit die Tiere bei Gefahr flüchten können. Der ideale Standort liegt in drei bis sechs Metern Höhe an einem ruhigen, geschützten Platz. Ein gut platzierter Nistkasten wird oft über Jahre hinweg genutzt und kann mehreren Generationen als Heimat dienen.
Wasserstellen im Winter
Ein oft übersehener Aspekt der Winterhilfe ist die Bereitstellung von Wasser. Bei Frost finden Eichhörnchen kaum offene Wasserquellen. Eine flache Schale mit lauwarmem Wasser, die täglich erneuert wird, kann lebensrettend sein. Die Schale sollte frostfrei stehen oder regelmäßig vom Eis befreit werden. Besonders an sonnigen Wintertagen haben die Tiere einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf. Die Wasserstelle sollte erhöht platziert werden, um sie vor Verunreinigungen zu schützen.
Die Unterstützung von Eichhörnchen im Winter erfordert Wissen und Verantwortungsbewusstsein. Die Wahl geeigneter Nahrungsmittel, insbesondere die Vermeidung gefährlicher Nüsse wie Bittermandeln, steht dabei im Vordergrund. Haselnüsse und Walnüsse bilden die Basis einer artgerechten Fütterung, während Erdnüsse nur mit Vorsicht gegeben werden sollten. Hygiene an der Futterstelle, angemessene Dosierung und die Beachtung rechtlicher Vorgaben gewährleisten eine verantwortungsvolle Hilfe. Langfristig bietet die Gestaltung eines naturnahen Lebensraums mit heimischen Pflanzen die nachhaltigste Unterstützung für die flinken Nager. So können Naturfreunde einen wertvollen Beitrag zum Schutz dieser beliebten Wildtiere leisten, ohne ihre natürlichen Verhaltensweisen zu beeinträchtigen.



